Der VDA im Dialog mit der Politik, Teil 1

 

Quelle: vda-aktuell.de

Im Juni und Juli führt der Präsident des VDA, Dr. Stefan K. Hetz, mit den für den Tierschutz zuständigen Bundestagsabgeordneten der Parteien FDP, Die Linke, B90/Die Grünen und der CDU Gespräche über Themen, die für Tierhalter interessant sind. Hier nur das erste Gespräch mit Alexander Süßmair:

 

 

Die Linke: Alexander Süßmair

 

 

Herr Süßmair aus Augsburg ist Mitglied des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Herrn Süßmair hatte ich schon mehrmals nach den Ausschusssitzungen, an denen ich als Zuhörer teilnahm, sprechen können. Im Januar bot sich zudem anlässlich der Grünen Woche die Gelegenheit für ein längeres Gespräch. Unser Gespräch fand am Donnerstag, den 13. Juni nachmittags um 15 Uhr im Büro von Herrn Süßmair im Jakob-Kaiser-Haus statt.

Die Linke hatte im Juni unter der Nummer 17/13713 einen an vielen Stellen mit dem Antrag der SPD sowie B90/Die Grünen gleichlautenden Antrag in den Bundestag eingebracht, mit dem durch die Beschränkung des Handels mit Wildtieren der Tier- und Artenschutz gestärkt werden sollte. Auch hier ging die Diskussion vor allem um die Tierbörsen. Die Tatsache, dass wir im VDA eine Börsenordnung besitzen, die die Richtlinien des BMELV umsetzt, wurde positiv aufgenommen. Herr Süßmair erklärte mir auch, wie es zu den Anträgen kam. Er wurde von Tierschutzverbänden darüber informiert, dass es im Bereich Tierbörsen einen Handlungsbedarf gäbe, worauf die Parteien tätig wurden.

 

Das Verbot von Tierbörsen sei sicherlich eine extreme Forderung. Dabei gehe es aber nur um gewerbliche Börsen. Denn es sei durchaus sinnvoll, wenn Züchter eigene Nachzuchten abgeben. Deshalb setze sich die Linke dafür ein, dass weiter Tierbörsen durchgeführt werden könnten, allerdings nach klaren Regeln. Die Linke sei aber der Meinung, dass es Arten gebe, deren Haltung aus verschiedenen Gründen für den Privathalter nicht sinnvoll sei. Auch gebe es ein Problem mit Tieren, die ohne gründliche vorherige Information erworben werden und die dann nicht gut gepflegt oder gar ausgesetzt werden. Auch sei die Sachkunde der Halter ein wichtiger Punkt. Man würde gerne gewährleisten, dass die Halter von giftigen Tieren oder von Tieren, die besondere Pflegebedingungen benötigen, Nachweise über das für die Haltung nötige Wissen besitzen müssten.

 

 

 

Fragen an Herrn Süßmair:

 

Dr. Hetz: Sehr geehrter Herr Süßmair, vielen Dank für Ihre Gesprächsbereitschaft. Ich hatte Ihnen vorab per E-Mail einige Fragen geschickt, die wir diskutieren sollten. Ich fang mal ganz einfach an. Herr Süßmair, besitzen Sie ein Haustier?

 

Süßmair: Nein, leider nicht. Ich habe derzeit zu wenig Zeit und bin selten zu Hause. Da ich allein lebe, wäre es unverantwortlich ein Tier zu haben. Ich bin allerdings mit Tieren groß geworden, wir hatten immer mehrere Tiere in der Familie.

 

 

 

Dr. Hetz: Wie stehen Sie und Ihre Partei grundsätzlich zur Haltung von Aquarien- und Terrarientieren? Ist Ihnen bewusst, dass die Aquaristik eine alte Tradition von Arbeitern ist? Es gibt sogar den Begriff „Arbeiterneon“ für einen kleinen Fisch.

 

Süßmair: Ja, das weiß ich. In den kleinen Hinterhöfen der Arbeitersiedlungen im Ruhrgebiet ist ja auch die ganze städtische Kaninchen- und Taubenzucht entstanden. Aber nun zu den Aquarien und Terrarien. Die Linke ist natürlich nicht grundsätzlich gegen Aquarien- oder Terrarientierhaltung. Es gibt aber für uns einige Arten, die sich für die kommerzielle Heimtierhaltung nicht eignen und nur von Fachleuten oder zu wissenschaftlichen Zwecken gehalten werden sollten. Es geht hier auch um gefährliche oder invasive Arten, die bei Entkommen oder vorsätzlicher Freilassung schwere Folgen für die heimischen Arten haben können oder sogar gefährlich für Menschen sind.

 

 

 

Dr. Hetz: Sie haben in Ihrem Antrag die Initiative, Importe von „Nachzuchten“ bzw. „Farmzuchten“ von Exoten nach Deutschland kritisch auf Falschdeklarationen prüfen zu lassen, genannt. Denken Sie dabei an die modernen Nachweismöglichkeiten des DNA-Barcoding?

 

Süßmair:  Ja, zum Beispiel. Wichtig für uns ist, dass man definitiv feststellen kann, woher die Tiere stammen und dass sie eben nicht Wildfänge sind.

 

 

 

Dr. Hetz: Sie fordern in Ihrem Antrag auf EU-Ebene ein generelles Importverbot von Wildfängen für den kommerziellen Lebendtierhandel aber auch Ausnahmen zum Beispiel für den Erhalt eines Genpools, also der Blutauffrischung, unter Behördenvorbehalt zuzulassen. Können Sie das näher erörtern?

 

Süßmair:  Gerne: Also wir sind der Meinung, dass es nicht erlaubt sein darf, kommerzielle Heimtierhaltung mit Tierarten zu betreiben, die nicht in ausreichender Menge nachgezüchtet werden können. Sonst kann das zu schwerwiegenden Folgen für die Tierart im Herkunftsland führen und ggf. sogar deren Fortbestand gefährden. Allerdings wollen wir es erlauben, dass Wildfänge zu wissenschaftlichen Zwecken, zum Auffrischen des Genpools für Züchter und als „Starter-Population“ für eine neue Tierart, die für die Heimtierhaltung erschlossen werden soll, zu gestatten. Dies soll aber unter einen Genehmigungsvorbehalt durch die zuständigen Behörden gestellt werden. Dafür benötigen wir dann klar, strikte und nachvollziehbare Vorgaben per Gesetz. Für die Behörden wäre es darüber hinaus auch wichtig, wenn die Leitlinien für Tierbörsen in eine Verordnung überführt werden könnten. Dann hätten Tierärzte eine klare Handhabe bei Verstößen gegen den Tierschutz.

 

 

 

Dr. Hetz: Wie gefährlich schätzen Sie das unkontrollierte Freisetzen von Tieren an? Sie hatten ja in Ihrem Antrag auch das invasive Potenzial vieler Arten thematisiert.

 

Süßmair:  Ich halte die Gefahr für sehr real und ziemlich hoch ohne gleich Panik zu machen. Aber es ist ernst zu nehmen. Wir haben ja leider Beispiele von einigen Arten, die durch Freisetzung zu schweren Folgen für die einheimischen Arten führten. Zum Beispiel die Rotwangen-Schmuckschildkröte oder Waschbären.

 

 

 

Dr. Hetz: Die Vermittlung und der Nachweis einer Sachkunde wird ja häufig im Zusammenhang mit einer Verbesserung für die Tierhaltung genannt. Wie sehen Sie bzw. Ihre Partei die Einführung einer verpflichtenden Sachkundeprüfung für Heimtierhalter, wenn diese zum Beispiel potenziell gefährliche Tiere halten oder züchten wollen?

 

Süßmair:  Wir halten das für unbedingt notwendig. Gerade bei potenziell gefährlichen Tieren sollte die Eignung und Verlässlichkeit des Halters nachgewiesen werden. Das könnten zum Beispiel Verbände oder Vereine tun, in Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern.

 

 

 

Dr. Hetz: Wir hatten ja schon mal mit Frau Marion Platta von den Berliner Linken über Tierschutz an Schulen gesprochen und auch sehr positive Erfahrungen gemacht. Wie stehen Sie und ihre Partei zu der Idee, über die Haltung von geeigneten Tieren bei Kindern in Kindergarten- und Grundschulalter Gedanken des Tierschutzes, des Artenschutzes sowie der Vermittlung von Empathie im Umgang mit Menschen und Tieren zu vermitteln?

 

Süßmair:  Diese Idee ist sehr gut. Es wird ja immer wieder über einen generellen „Führerschein“ für die Heimtierhaltung diskutiert. Diesen halten wir für nicht umsetzbar, da zu bürokratisch und reglementierend. Allerdings könnten wir uns vorstellen, dass man durch verpflichtenden Unterricht an Schulen, bei Kindern und Jugendlichen mehr Verantwortung und Verständnis für die Haltung von Tieren schaffen könnte. Vielleicht können dadurch der eine oder andere Fehlkauf, der dann im Freien oder im Tierheim landet vermieden und Haltungsfehler verringert werden.

 

 

 

Dr. Hetz: Der VDA als Verband hatte bisher wenig oder keinen Kontakt zu Ihnen und Ihrer Partei. Für wie wichtig sehen Sie den Dialog mit vivaristischen Halterverbänden in der aktuellen Diskussion um Tierschutz bei Heimtieren an?

 

Süßmair: Ich halte grundsätzlich jedes Gespräch mit Verbänden, Vereinen oder Lobbygruppen für sinnvoll. Zum einen erfährt man dadurch immer Dinge, die man vorher nicht wusste und zum anderen führt es in politischen Fragen zu einem besseren gegenseitigen Verständnis der Position. Natürlich ist es oft so, dass man vorher ja schon ungefähr weiß, ob man politisch eher näher oder weiter voneinander entfernt ist. Aber mir ist es in dieser Wahlperiode schon öfters passiert, dass wir in einer Frage noch keine Position hatten und dann durch die Gespräche mit verschiedenen Gruppen und Fachleuten eine eigene Position erarbeitet haben. Fazit: Miteinander reden ist immer wichtig, auch im Bereich der vivaristischen Haltung.

 

 

 

Dr. Hetz: Herr Süßmair, die Zeit ist fortgeschritten, Sie haben noch einen wichtigen Termin. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Bearbeitungsstand:

16.09.2017

Zum Download:

Stand: 01.03.2017

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