Der VDA im Dialog mit der Politik, Teil 2

 

Quelle: vda-aktuell.de

Die Halter und Züchter von Vivarientieren sind in den letzten Monaten aufgeschreckt worden durch „Kleine Anfragen“ und „Anträge“ an den Bundestag, die, wenn sie durchgesetzt werden, unser Hobby doch sehr beeinträchtigen könnten. Themen wie Tierbörsen bzw. ein gefordertes Verbot von Tierbörsen, ein Verbot des Imports von Wildtieren oder der Haltung von Exoten sowie eine erneute Diskussion der schon vor 20 Jahren geforderten Positivlisten haben uns im VDA veranlasst, diese Themen direkt mit den dafür verantwortlichen Politikern der im Bundestag vertretenen Parteien B90/Die Grünen, CDU/CSU, Die Linke, FDP und SPD zu diskutieren. Ich hatte einige der für diese Themen zuständigen Politiker bereits mehrfach in den von mir besuchten Sitzungen des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ELV) kennengelernt. Zu einigen Politikern bestanden auch schon persönliche Kontakte, sei es durch gemeinsam besuchte Veranstaltungen oder auch kurze Gespräche und Diskussionen am Rand dieser Ausschusssitzungen.

Es wurde nun allerhöchste Zeit, direkt mit den Politikern zu sprechen zudem einige auch schon ihre grundsätzliche Gesprächsbereitschaft zugesichert hatten. Über verschiedene Kanäle wurden Themen und auch konkrete Fragen an mich herangetragen, die ich mit den Politikern diskutieren sollte. Nach Herrn Alexander Süßmair von den Linken im ersten Teil der Serie, folgt nun Hans-Michael Goldmann von der FDP

FDP: Hans-Michael Goldmann

Herr Goldmann ist wahrscheinlich den wenigsten bekannt. Als Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hatte ich aber schon mehrfach die Möglichkeit, ihn zu sehen und zu hören. Die FDP war die erste Partei, die auf meine zeitgleich an alle fünf oben genannten Parteien geschickte Anfrage geantwortet hatte und so fand das erste Gespräch am Donnerstag, den 13. Juni morgens um 11 Uhr im Büro von Herrn Goldmann im Paul Löbe Haus statt.

Ich hatte Dr. Wolfgang Staeck gebeten, mich zu begleiten und so wurden wir von Frau Agata Kloc, der Mitarbeiterin und Referentin für Tierschutz von Herrn Goldmann abgeholt. Da Herr Goldmann wegen eines verspäteten Termins zunächst nicht anwesend war, wurden wir gebeten, zu warten. Nach einigen Minuten kam Herr Götz Goldammer, Leiter des Abgeordnetenbüros von Frau Dr. Christel Happach-Kasan, Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung der FDP-Bundestagsfraktion, dazu. Herr Goldammer outete sich als Züchter von roten Kampffischen, zum Leidwesen von Herrn Goldmann, der sich lieber blaugelbe Zuchtformen gewünscht hätte. Ich befürchtete zunächst, dass der Termin sehr kurz ausfallen würde, wurde aber positiv überrascht, dass das ursprünglich auf eine Stunde angesetzte Gespräch - wie übrigens auch die folgenden Gespräche - deutlich länger als geplant wurden. Wir hatten bei allen drei Parteien deshalb nicht den Eindruck, dass man unser Anliegen nicht ernst nehmen würde.

Bei unserem Gespräch redeten wir zunächst über die aktuelle politische Situation und die Abstimmungen der letzten Anträge, den Tierschutz betreffend. Das Gespräch kam aber relativ schnell auf konkrete Themen, die offenbar in der Politik anders als im Hobby empfunden werden. Eines der Themen war die Sterblichkeit von Fischen auf dem Transport, worüber unterschiedliche (höhere) Zahlen existierten. Hier konnten wir die Verlustraten mit neuen Publikationen und aktuellem Zahlenmaterial korrigieren. Auch die Bedeutung von Salmonellen als Infektionsgefahr bei der Reptilienhaltung wurde so relativiert. Herr Goldmann zeigte sich sehr interessiert und so nahm ein großer Teil des Gesprächs die Diskussion über den Weg der Fische vom Fang in den Ursprungsländern bis in die Aquarien der Halter ein. Hier wurden die Themen Sachkunde und Tierführerschein, die Möglichkeit und Verhinderung illegaler Importe sowie die Gefährdung der Tiere in den Ursprungsländern durch Sammelaktivität für das Hobby thematisiert.

Fragen an Herrn Goldmann:

Dr. Stefan Hetz: Sehr geehrter Herr Goldmann, vielen Dank, dass Sie sich für das Gespräch und die Beantwortung einiger Fragen die Zeit genommen haben. Unsere Mitglieder würden gerne wissen, auf welcher Basis Sie als Fachpolitiker der FDP für Tierschutz Ihre Entscheidungen treffen. Können sie uns kurz erklären, wie Ihre Arbeit aussieht?

Hans-Michael Goldmann: Bevor ich politische Entscheidungen treffe, informiere ich mich über den aktuellsten Stand der Dinge, welche wissenschaftlichen Grundlagen zum Thema gegeben sind und was diese besagen. Hinzu kommen natürlich Fachgespräche mit Experten und Betroffenen. Bei der aktuellen parlamentarischen Diskussion um den Wildtierhandel und die Wildtierhaltung, die sich auf zwei Anträge der Oppositionsfraktionen bezieht, habe ich für die Durchführung einer Öffentlichen Anhörung plädiert, um den externen Sachverstand zu dem komplexen Themenbereich einzuholen. Leider wurde dieser Vorschlag seitens der Opposition abgelehnt. In meinem Team habe ich Mitarbeiter mit unterschiedlichem akademischem Hintergrund, es sind darunter eine Ernährungswissenschaftlerin, ein Betriebswissenschaftler sowie eine Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin. Es sind keine Tierrechtler, aber Tierschützer in dem Sinne, dass sie über ein gewisses Maß an Empathie gegenüber unseren Mitgeschöpfen verfügen und den Tieren keine Leiden, Schmerzen oder Schäden zufügen.

 

Dr. Stefan Hetz: Haben Sie selbst Heimtiere? Wenn ja, welche und wie viele?

Hans-Michael Goldmann: Ein Haustier haben ist in meinem Fall eine ein bisschen zu optimistische Feststellung. Zu meinem Grundstück gehört eine gewerbliche Brachfläche, mit Restbebauung, die gerne Katzenheimat ist. Eine dieser Katzen zeigte eine angehende Vertraulichkeit, die von mir durch Anfütterung vertieft wird. Wenn man so will, ist also die Katze, Fietje II genannt, auf dem Weg zum Haustier.

 

Dr. Stefan Hetz: Also ein „semi-domestiziertes“ Tier und kein Exot, wobei wir direkt zur nächsten Frage kommen. Wie sehen sie bzw. Ihre Partei die Definition von „Wildtieren“ und „Exoten“ bzw. auch nicht-domestizierte Tiere im Zusammenhang mit der Diskussion eines Wildtier- und Exotenverbots?

Hans-Michael Goldmann: Wildtiere sind für mich Tiere, die in der Wildnis leben und nicht domestiziert sind. Genauso würde ich nicht-domestizierte Tiere definieren. Schwieriger wird es mit Exoten. Aus westlicher Sicht sind meistens Tiere exotisch, wenn sie aus den Tropen kommen und hauptsächlich durch ihr Aussehen ungewöhnlich sind.

 

Dr. Stefan Hetz: Einige dieser Wildtiere sind ja auch giftig. Wie stehen Sie denn zur Haltung/Zucht von potenziell gefährlichen Tieren?

Hans-Michael Goldmann: Haltung und Zucht potenziell gefährlicher Tiere stehe ich persönlich etwas skeptisch gegenüber. Immer wieder höre ich Berichte von ausgesetzten oder entlaufenen Tieren, wodurch die öffentliche Sicherheit beeinträchtigt wird. Wenn jemand ein gefährliches Tier hält, darf er keinen Aufwand scheuen, sich selbst und seine Mitmenschen vor dem potenziellen Risiko zu bewahren.

 

Dr. Stefan Hetz: Diesen Aufwand betreiben wir ja mit der Erarbeitung eines Sachkundenachweises für „Gefahrtiere“. Diese Tiere werden ja auch auf Tierbörsen angeboten. Wie sehen Sie bzw. Ihre Partei denn die momentane Situation der Tierbörsen und das von einigen Organisationen geforderte Tierbörsenverbot in Deutschland?

Hans-Michael Goldmann: Die Tierbörsen will ich nicht verbieten, denn es ist mir bewusst, dass sie für echte Tierliebhaber eine gute Gelegenheit sind, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und deren Faszination von den Tieren zu teilen. Von eigenen Besuchen weiß ich, dass es Tierbörsen gibt, die unter den Tierschutzaspekten absolut in Ordnung sind und alle Vorgaben des Tierschutzgesetzes sowie der BMELV-Leitlinien erfüllen. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass auf manchen Tierbörsen trotzdem immer wieder tierschutzrelevante Missstände dokumentiert werden. Deswegen haben wir eine neue Regelung eingeführt, wonach auch derjenige, der die Tierbörsen durchführt, als Voraussetzung für die dafür erforderliche Erteilung einer Erlaubnis einen Sachkundennachweis erbringen muss.

 

Dr. Stefan Hetz: Eine schöne Überleitung zur nächsten Frage. Die Vermittlung und der Nachweis einer Sachkunde werden ja häufig im Zusammenhang mit einer Verbesserung für die Tierhaltung genannt. Wie sehen Sie bzw. Ihre Partei die Einführung einer verpflichtenden Sachkundeprüfung für Heimtierhalter?

Hans-Michael Goldmann: Die Haltung von bestimmten Wildtierarten bedarf besonderer Pflege und Sachkunde des Halters. Nicht selten sind die Halter wegen hoher Unterbringungskosten, Gefährlichkeit der Tiere oder mangelnder Fähigkeiten und Kenntnisse über die gehaltene Tierart überfordert und setzen die Tiere aus. Dadurch wird nicht nur die öffentliche Sicherheit beeinträchtigt, sondern es werden auch heimische Tiere in ihren Lebensräumen bedroht. Vor diesem Hintergrund stehe ich der Idee des Sachkundenachweises oder des Führerscheins offen gegenüber. Als Liberaler freue ich mich besonders, wenn Menschen eigenverantwortlich handeln und auf freiwilliger Basis die Sachkunde erwerben. Ich begrüße es sehr, dass Verbände, wie zum Beispiel der VDA, fachlich fundiert das Grundlagenwissen aufarbeiten sowie Schulungen und Prüfungen zum Erwerb des Sachkundenachweises anbieten. Ich bin mir sich, dass diese Mühe, die sie sich geben, in klugen und verantwortungsvollen Tierhaltungen mündet.

 

Dr. Stefan Hetz: Der VDA als Verband ist bisher wenig in direkten Kontakt mit politischen Parteien getreten. Für wie wichtig sehen Sie den Dialog mit uns sowie anderen vivaristischen Halterverbänden grundsätzlich oder in der aktuellen Diskussion um Tierschutz bei Heimtieren an?

Hans-Michael Goldmann: Ich bin immer wieder sehr beeindruckt von der Fachlichkeit und dem Engagement der Menschen, die sich in Vereinen und Verbänden organisieren, um die Ziele des Tier-, Arten- und Biotopschutzes zu realisieren. Ich bin im regen Austausch mit den Vertretern aus diesen Bereichen und nehme jede Fachgesprächsanfrage nach Möglichkeit gerne an. Deswegen mein Appel an Sie: Wenden Sie sich mit Ihren Anliegen und Sorgen gerne an mich und meine Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Sicherlich sind auch die Kolleginnen und Kollegen aus dem Umweltausschuss gesprächsbereit, die sich speziell mit dem Artenschutz befassen. Denn wir sind – oder zumindest die meisten – keine Experten der Vivaristik. Ohne Ihre Rückmeldung können wir keine praxisnahen Lösungen für die bestehenden Herausforderungen anbieten. Wir brauchen Ihr Fachwissen und Ihre Erfahrung.

 

Dr. Stefan Hetz: Das sind aufmunternde Worte. Herr Goldmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bearbeitungsstand:

16.09.2017

Zum Download:

Stand: 01.03.2017

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