Der VDA im Dialog mit der Politik, Teil 4

 

Quelle: vda-aktuell.de

Im Juni und Juli führt der Präsident des VDA, Dr. Stefan K. Hetz, mit den für den Tierschutz zuständigen Bundestagsabgeordneten der Parteien FDP, Die Linke, B90/Die
Grünen und der CDU Gespräche über Themen, die für Tierhalter interessant sind. Hier nun das vierte Gespräch mit Dieter Stier von der CDU:

 

CDU: Dieter Stier

 

In der Sommerpause des Bundestags und damit zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs haben wir noch einen Termin gefunden, um miteinander über einige das Hobby bewegende Themenbereiche zu sprechen. Herr Stier ist der tierschutzpolitische Sprecher der CDU. Ich hatte Herrn Stier während der öffentlichen Anhörungen zu Themen des Tierschutzes und der Tierhaltung wahrgenommen, wo mir seine direkte und unmissverständliche Art aufgefallen war.

Als ausgebildeter Diplom-Agraringenieur hat er praktische Erfahrungen mit der Haltung von Tieren und in einigen Punkten eine pragmatische Einstellung zum Tierschutz, was natürlich nicht heißt, dass ihm Tierschutz nicht am Herzen liegt. Er machte aber auch klar, dass er einige Forderungen im Tierschutz für etwas überzogen halte. Er selbst könne nicht alles rund um alle Heimtierarten wissen und schätze es durchaus, wenn er detailliertere Informationen von Spezialisten bekomme.

Herr Stier hat seinen Wahlkreis im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Unser Gespräch drehte sich am Anfang deshalb auch um die Frage, ob Themen in der Berliner Politik denn überhaupt relevant für die Bevölkerung in seinem Wahlkreis seien. Auch die unterschiedliche Wahrnehmung des Tierschutzes sowie der Zugang zu Tieren in der freien Natur und zu Heimtieren sei seiner Meinung nach „auf dem Land“ ein ganz anderer als in der Stadt. Die zunehmende Entfremdung von der Natur vor allem in der Stadt führe zu sonderbaren Situationen. Einerseits wären die Leute zunehmend für den Tierschutz sensibilisiert, was gut sei, andererseits wüsste aber kaum jemand mehr, wie man im Fall eines aus dem Nest gefallenen Vogels reagieren solle. Dafür sehe man aber Katzen und Kaninchen im Geschirr beim Spazierengehen an der Leine im Park immer häufiger, eine teilweise unverständliche Situation.

Themen des Gesprächs waren die Diskussionen um die Veränderungen des Tierschutzgesetzes sowie die Vermittelung der Sachkunde und die Frage, für wen diese gelten solle und ob diese in Zukunft freiwillig oder verpflichtend sein solle. Eine gute Beratung vor dem Tierkauf sei wichtig, müsse aber für Anfänger nicht unbedingt als verpflichtender Sachkundenachweis gestaltet sein, sondern könne auch durch gute Beratung im Zoofachhandel geleistet werden. Herr Stier war der Meinung, dass die Vermittelung von Sachkunde wichtig sei, aber nicht notwendigerweise in allen Bereichen der Vivaristik zur Verpflichtung werden solle.

Tierbörsen waren ein weiterer wichtiger Punkt. Hier wurde darüber diskutiert, dass die von Vereinen und Arbeitskreisen organisierten Börsen wichtig zum Austausch von Nachzuchten und der Vermittelung von Erfahrungen und Wissen seien. Einige kommerziell organisierte Börsen seien verbesserungswürdig aber man müsse auch mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen auf die Börsenausrichter zugehen und nicht gleich nach einem generellen Verbot rufen.

Die Diskussion um das generelle Verbot des Imports von Wildtieren wurde ebenfalls angesprochen. Grundsätzlich sei der VDA für die Förderung der Nachzucht, allerdings könne es auch Situationen geben, bei denen eine „Nutzung“ von Wildbeständen unter Arten- und Naturschutzaspekten nachhaltiger sei als ein generelles Verbot. Interessant sei es, zu beobachten, ob sich nun zum Beispiel Wildvogelbestände nach dem weitreichenden Handelsverbot tatsächlich erholen würden. Bisher habe man davon aber wenig gehört.

 

Fragen an Herr Stier:

 

Dr. Stefan Hetz: Sehr geehrter Herr Stier. Danke, dass Sie die Zeit gefunden haben, um mit uns zu reden. Hatten Sie bereits Erfahrungen mit der Vivaristik, haben oder hatten Sie ein Aquarium oder ein Terrarium?

Dieter Stier: Ich freue mich auch sehr, Sie in meinem Büro zu begrüßen. Selbstverständlich habe ich Erfahrung mit der Vivaristik und der Aquaristik gesammelt, denn ich war als Kind stolzer Besitzer eines eigenen Aquariums mit einigen Guppies. (lacht)

Nein, selbstverständlich habe ich mich in meiner Funktion als Tierschutzbeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion umfassend mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Informationen habe ich unter anderem durch zahlreiche Gespräche mit Verbandsvertretern erhalten. Ich schätze den Austausch mit Experten wie Ihnen sehr, da sie meist sehr informativ sind. Beispielsweise habe ich auch ausführliche Gespräche zu Themen der Vivaristik und Aquaristik mit Vertretern des BNA geführt. Außerdem versuche ich regelmäßig die Fachpresse zu meinen Themengebieten zu lesen, um immer aktuell informiert zu sein.

Dr. Stefan Hetz: Sie erwähnten gerade, dass Sie als Kind ein Aquarium mit Guppies hatten. Vielleicht haben Sie zwei oder drei Sätze dazu?

Dieter Stier: Ich hatte dieses Aquarium als kleiner Junge noch zu Schulzeiten. Das waren meine ersten Haustiere. Es war mir eine Freude den Fischen zuzusehen und mich dabei auch zu entspannen. Die Fische haben immer eine besondere Ruhe ausgestrahlt. Aber natürlich braucht so ein Aquarium auch regelmäßige Pflege, auf diese Art lernte ich schon früh, Verantwortung zu übernehmen.

Dr. Stefan Hetz: Sie haben ja durch Ihr Studium direkten Zugang zu Tieren, können sich aber sicher nicht mit allen Themen und Fragen bis ins letzte Detail auseinandersetzen. Woher beziehen Sie Ihre Informationen?

Dieter Stier: Aufgrund meiner Ausbildung als Agraringenieur habe ich mir natürlich die Mitgliedschaft im Landwirtschaftsausschuss ausgesucht, da ich mich zum Einen für diese Themen interessiere, aber zum Anderen auch der Meinung bin, dass fachliches Verständnis für eine qualifizierte Arbeit sehr wichtig ist. Ich kann beispielsweise nicht über Tiertransporte entscheiden, wenn ich noch nie im Leben einen Tiertransporter von innen gesehen habe.

Und alles wissen? Nein das geht natürlich nicht. Immer wieder versuche ich klarzustellen, dass ein Politiker nicht Experte auf allen Themengebieten sein kann, mit denen wir uns hier im Bundestag detailliert beschäftigen. Das ist das Wesen eines arbeitsteiligen Parlaments mit seinen verschiedenen Fachausschüssen und speziellen Berichterstatterbereichen. Unter Kollegen haben wir auch oft die Möglichkeit, in Anhörungen Experten zu verschiedenen Themen zu befragen, um uns fachkundig informieren zu lassen. Zusätzlich bin ich auch immer mit sehr vielen verschiedenen Vertretern den unterschiedlichsten Verbänden im Gespräch, wie zum Beispiel mit Ihnen heute hier in meinem Büro. Darüber hinaus besuche ich zahlreiche Messen, nehme an Podiumsdiskussionen und Veranstaltungen teil, um mich umfassend zu informieren. Ich versuche trotz meines vollen Terminkalenders viel zu lesen, insbesondere die verschiedenen Fachzeitschriften. Selbstverständlich sind mir auch meine wissenschaftlichen Mitarbeiter durch Recherche und Ausarbeitungen eine große Hilfe.

Dr. Stefan Hetz: Sie hatten eben die Fachausschüsse und Anhörungen erwähnt. Schätzen Sie den Kontakt mit Verbänden und Spezialisten?

Dieter Stier: Ja ich schätze die Verbände mit Ihren Spezialisten außerordentlich. Letztlich sind Sie es, die sich jeden Tag mit der spezifischen Thematik beschäftigen und die praktische Umsetzung der Gesetze erleben, die wir hier im Deutschen Bundestag beschließen. Ihre Erfahrung und Ihr Wissen sind daher für unsere Arbeit entscheidend.

Ich bin stets bemüht, mir immer beide Seiten der Medaille anzuhören. Doch letztlich bilde ich mir dann aus den vielen, oft sehr differenzierten und konträren Ansichten und Informationen meine eigene Meinung. Wichtig finde ich es auch, mich vor Ort zu Informieren, um mir ein eigenes Bild von der Lage zu verschaffen. Denn Entscheidungen vom Schreibtisch sind selten sachgerecht. Ich muss jedoch zugeben, das fällt mir aufgrund der Terminfülle nicht immer ganz leicht.

Wichtig ist mir vor allem der persönliche Kontakt. Ich halte nicht viel von schnellen und unpersönlichen Massen-E-Mails oder seitenlangen Fragebögen. Im persönlichen Gespräch kann man sehr viel mehr erreichen. Daher wünsche ich mir von den Menschen immer wieder, dass sie mit Ihren Wünsche, Anliegen und Problemen persönlich an mich heranzutreten mögen.

Dr. Stefan Hetz: Ihre Fraktion steht ja – naturgemäß - im Beschuss der Opposition im Hinblick auf Tierschutz? Macht die Politik oder Ihre Partei Ihrer Meinung nach zu wenig zum Thema Tierschutz?

Dieter Stier: Natürlich weiß die Opposition immer alles besser, das liegt in der Natur der Sache. Fakt ist jedoch, dass wir in Deutschland einen der höchsten Tierschutzstandards der Welt haben und auf diese internationale Vorreiterrolle können wir alle mit Recht stolz sein.

Ich versuche immer, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Haltungsbedingungen für Hühner so gut wie möglich sein sollten und gleichzeitig die Preise für Eier und Hühnerfleisch für den Verbraucher erschwinglich bleiben. In der Landwirtschaft ist es immer ein schwieriger Balanceakt zwischen Tierschutz und Wirtschaftlichkeit. Hier ist kritischer Weitblick gefragt, den die Opposition aus populistischen Gründen gern aus den Augen verliert.

Dr. Stefan Hetz: Wie stehen Sie zum Thema Sachkunde? Sollte die Sachkunde für die Haltung von Tieren gesetzlich verpflichtend sein oder sähen Sie das lieber auf freiwilliger Basis „geregelt“?

Dieter Stier: Es ist stets in meinem Sinne und auch in dem meiner Fraktion, dass die Menschen mit so wenig Regeln wie möglich belastet werden sollten.

Selbstverständlich bedarf es jedoch gewisse Grundkenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Tieren, um deren Bedürfnissen gerecht zu werden. Daher bin ich für Sachkunde, sei es durch eine Ausbildung oder eine entsprechende Erfahrung in der Haltung, optimalerweise durch eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Denn ich sehe die tierschutzrelevanten Einzelprobleme beim Handel und bei der Haltung von Wildtieren nicht durch fehlende Gesetze und fehlende Vorschriften, sondern vielmehr durch Vollzugsdefizite der Kontrollbehörden. Das Beste sind meiner Meinung nach immer noch ein gesunder Menschenverstand und die Liebe zu seinem Tier.

Dank der vielen engagierten Verbände, wie auch dem VDA, gibt es zahlreiches Infomaterial oder Veranstaltungen, die eine sachkundige Haltung unterstützen. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Dr. Stefan Hetz: Das Exotenverbot bzw. das Verbot der Einfuhr von aus der Wildnis entnommen Tieren war ja vor Kurzem ein wichtiges Thema im Bundestag. Wie stehen Sie bzw. wie steht Ihre Partei zu einem solchen generellen Verbot?

Dieter Stier: Ich denke es gibt Tier- und Pflanzenarten, die aus gutem Grund unter Naturschutz stehen und deren Naturentnahme und die Einfuhr nach Deutschland nicht erlaubt sind. Das ist auch wichtig im Sinne des Artenschutzes oder auch in Hinsicht auf gefährliche Krankheiten.

Ich finde es nicht gut, Tiere aus kommerziellen Gründen ihrem natürlichen Habitat zu entnehmen. Den Import von Tieren aus „Nachzuchten“ bzw. „Farmzuchten“ sehe ich nicht übermäßig kritisch. Dennoch befürworte ich die hier in Deutschland gängigen Plausibilitätsprüfungen, die beim Import nach Deutschland Vorschrift sind.

Ich denke jedoch, dass wir kein striktes Verbot bei der Einfuhr von Wildfängen in die EU brauchen, um einer Einschleppung gefährlicher Krankheiten vorzubeugen. Hier reichen die bereits vorhandenen veterinärrechtlichen Einfuhrregelungen völlig aus.

Dr. Stefan Hetz: Sehen Sie Probleme mit invasiven Arten, die aus der Vivaristik freigesetzt werden?

Dieter Stier: Durch die Neuetablierung und Ausbreitung invasiver, nichtheimischer Arten besteht zwar ein geringes Gefährdungspotenzial, jedoch gibt es im Rahmen des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt Regelungen zu Vorsorge, Sofortmaßnahmen und Kontrolle invasiven Arten. Der § 40 des Bundesnatur-schutzgesetzes setzt diese Regelungen um. Und um nochmals auf die Krankheiten zu kommen: In den meisten Fällen ist sogar durch einfaches Händewaschen eine Gefährdung durch Krankheitserreger auszuschließen.

Dr. Stefan Hetz: Herr Stier, besten Dank für das Gespräch.

Bearbeitungsstand:

16.09.2017

Zum Download:

Stand: 01.03.2017

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