Der VDA im Dialog mit der Politik, Teil 5


Quelle: vda-aktuell.de

 

SPD: Heinz Paula

 

Die Terminvereinbarung mit der SPD gestaltete sich ja ein wenig kompliziert. Doch nun hat es also doch noch geklappt. Ich wurde vom Mitarbeiter von Herrn Paula aus dem Eingangsbereich im Paul-Löbe-Haus abgeholt. Beim Eintreffen im Büro eine Überraschung und damit auch gleich ein geeignetes Gesprächsthema: das Plakat des „Forum Exotenhalter“. Das Gespräch drehte sich deshalb am Anfang um Wahlprogramme, Anfragen und Anträge an die Bundesregierung sowie die verschiedenen Reaktionen gegen die Beeinträchtigung der Vivaristik. Herr Paula wunderte sich über die Aussagen von DVTH, DGHT und anderen und fühlte sich teilweise unverstanden. Er sah einige Punkte in den Anträgen der SPD, den Lebendtierhandel zu verbieten, missverstanden. In den Anträgen sei nie, so Herr Paula, von einem totalen Verbot die Rede gewesen, sondern – mit dem Wörtchen „wenn“ - eine Einschränkung nur für gefährliche Arten und Arten, die Krankheiten übertragen könnten, eingefügt worden. Es sei ihm sehr wichtig, dass es in all den Diskussionen um die Verbesserung des Tierschutzes gehe - auch wenn man nicht in allen Punkten einer Meinung sei!

 

 

Herr Paula stellte nochmals klar, dass es ihm ein Anliegen sei, sachlich (!) und persönlich über Tierschutzthemen zu diskutieren, wie er es auch schon mit Mitgliedern im VDA Südbayern getan habe. Mit dem Antrag gehe es auch darum, vor Ort, also in den Herkunftsländern, keine Probleme mit dem Naturschutz zu schaffen, die durch das illegale Aufsammeln von Tieren, teilweise auch aus Nationalparks, durch den Import von Wildtieren entstünden.

 

Als Mitarbeiter des Augsburger Tierschutzvereins ist er logischerweise mit vielen Problemen im Umgang mit Tieren direkt konfrontiert. Er findet es deshalb wichtig und positiv, dass Tierschutzthemen, die vor wenigen Jahren in der SPD kein Thema waren, nun überhaupt erst in einigen Parteien auf Bundesebene diskutiert werden. Auch die verschiedenen plakativen Aktionen von Tierschutzverbänden hätten überhaupt erst dazu geführt, dass Tierschutzthemen so weit in die Öffentlichkeit gelangt seien.

Meine Kritik bezog sich deshalb vor allem auf die einseitige Informationslage über Themen der Vivaristik, die in den Parteien bisweilen sehr oder ausschließlich von Material, welches Tierschutzorganisationen zur Verfügung stellten, geprägt war. Eine Möglichkeit, diese Situation zu verbessern, sah Herr Paula im Vorschlag, mit seiner designierten Nachfolgerin und Vertretern von Tierschutzorganisationen zusammen an einen runden Tisch zu kommen, um über Tierschutzthemen sachlich (da ist das Wort wieder) zu diskutieren. Hoffen wir, dass man sich nach der nach der Wahl an diese Initiativen erinnert und diese auch umgesetzt werden.


 

Fragen an Herrn Paula:

 

Dr. Stefan Hetz:Sehr geehrter Herr Paula. Schön, dass es doch noch geklappt hat. Meine erste Frage an Sie. Was hat Sie dazu bewogen, im Landwirtschaftsausschuss mitzuarbeiten?

Heinz Paula: Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Ich war zwei Perioden im Verkehrsausschuss und danach kam für mich mit dem Landwirtschaftsausschuss die Kür. Hintergrund ist auch, dass ich im Tierheim Augsburg als Vorsitzender aktiv war und immer noch bin.

 

Dr. Stefan Hetz:Sie sind in Augsburg mit Tieren aufgewachsen?

Heinz Paula: Ich bin in Burgheim aufgewachsen, das ist in der Nähe von Augsburg. Die Großeltern hatten einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Meine Mutter erzählte immer, dass man, wenn man mich suchte, den Hund gepfiffen hat, und der kleine Heinz hing dann an der Hundeleine mit dran. Von daher habe ich schon von Anfang an einen Bezug zur Heimtierhaltung und zur Natur.

 

Dr. Stefan Hetz:Ihren Mitarbeiter habe ich schon einmal getroffen. Er hat im Hauptstadtbüro des DTB gearbeitet. Sie selbst engagieren sich im Tierheim Augsburg. Sie sehen dort sicher viel Leid, weniger die gesunden und positiven Beispiele. Wie haben diese Tatsachen Ihre Arbeit beeinflusst?

Heinz Paula: Durch die Arbeit im Tierheim ist der enge Bezug zum Tierschutz da. Ich sehe die Probleme vor Ort, kranke Tiere, die Kosten verursachen, werden einfach abgegeben und – viel schlimmer noch – einfach ausgesetzt. Gegen diese Situation muss man einfach vorgehen. Oft ist es auch so, dass Tiere, die zu einer gewissen Zeit vermehrt im lokalen Handel angeboten werden, nach ein paar Wochen auch vermehrt bei uns im Tierheim abgegeben werden.

 

Dr. Stefan Hetz:Das ist völlig klar und steht natürlich außer Diskussion. Wenn ein Tier vernachlässigt wird, ist das ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Man übernimmt schließlich Verantwortung für das Tier, ob Hund, Katze oder andere Tiere …

Heinz Paula: … genau. Deshalb bin ich auch für einen Hundeführerschein und für die Aufklärung vor der Haltung und die Vermittlung von Sachkunde. Ein besonders extremes Beispiel, die Aussetzung einer ganzen Gruppe von Degus. Der Halter hatte irgendwoher ein Paar bekommen, die sich unkontrolliert vermehrten. Der Halter war nach kurzer Zeit überfordert und hat die Tiere einfach im Park ausgesetzt. Diese wurden dann eingefangen, teilweise mit Verletzungen von Krähen und anderen Tieren, zehn Tiere trächtig … so was darf nicht sein! Das wäre doch einfacher, kastrierte Tiere würden im Fachhandel gekauft, der Halter hätte sich informiert und schon wären die Probleme nicht entstanden.

 

Dr. Stefan Hetz:Haben Sie denn mit dem Fachhandel bzw. deren Vertretern, zum Beispiel dem ZZF, über solche Sachen gesprochen?

Heinz Paula: Ja, wir sind in Kontakt und regelmäßig in Verbindung. Es gibt viele Bemühungen, zum Beispiel die Regulierungen auf Börsen.

 

Dr. Stefan Hetz:Börsen sind ein wichtiges Stichwort. Wir arbeiten an einer Börsenzertifizierung, welche die Börsen, die der VDA und die ihm angeschlossenen Vereine, durchführen, an einen Standard anpasst. Wir werden auch klarmachen, dass es ohne Börsenzertifizierung …

Heinz Paula: … keine Börsen mehr gibt.

 

Dr. Stefan Hetz:Nein, aber wir haben ja bereits eine Börsenordnung, es gibt einen Haftungsausschluss beim Nichteinhalten der Börsenordnung und wir setzen vor allem auf Vernunft und gegebenenfalls die Kontrolle untereinander. Das ist heute, im Zeitalter der sozialen Medien, sehr einfach und geht auch sehr schnell. Und unsere Mitarbeiter und die Börsenveranstalter sind – natürlich auch Dank der derzeitigen Diskussion über Tierbörsen – sehr wohl dran interessiert, die Börsen auch in Zukunft zu erhalten.

Heinz Paula: Hervorragend … da kann ich sie nur unterstützen.

 

Dr. Stefan Hetz:Kommen wir zur Informationslage. Bekommen Sie Ihre Information vor allem aus dem Bereich der „Tierschützer“ oder auch von Fachverbänden. Einige Ihrer Anträge tragen sehr deutlich die Handschrift von Pro Wildlife. Warum waren wir noch nicht mit Ihnen im Gespräch?

Heinz Paula: Schade ….

 

Dr. Stefan Hetz:Ich habe nicht gefragt, wie Sie es finden, sondern warum wir noch nicht in Kontakt waren.

Heinz Paula: Wir hatten die Stellungnahmen in großer Runde diskutiert, Sie erinnern sich an die Pressemitteilung (SPD holt alle Fraktionen mit ins Boot: internationaler Artenschutz muss gestärkt werden [Red.]), wir hatten auch die Stellungnahme des BNA mit eingearbeitet, aber aus verschiedenen Gründen wurde der Antrag dann doch nicht von allen Parteien mitgetragen.

 

Dr. Stefan Hetz:Herr Paula, ein anderes Thema: Sie fordern Positivlisten, warum sind Sie gegen Negativlisten?

Heinz Paula: Bei einer Positivliste weiß jeder, woran er ist … wie das genau ausgestaltet werden kann, ist offen. Meine Meinung ist: Lasst uns einfach nach einem praktikablen Weg suchen. Ich bin dankbar für Vorschläge, die aber auch von Ihrer Seite kommen sollten.

 

Dr. Stefan Hetz:Ich sehe das Problem nicht so. Wir haben in der veröffentlichten Literatur eine riesige Liste an publizierten Nachzuchtergebnissen, die wir auch gerne mal für alle Tiergruppen zusammenstellen können. Viele Arten sind ja ähnlich zu bereits etablierten Arten und auch ähnlich nachzuziehen.

Heinz Paula: Ich nehme sehr gerne Anregungen auf. Ich würde mich freuen, wenn wir solche Themen zusammen diskutieren könnten.

 

Dr. Stefan Hetz:Gleich noch eine weitere Frage zu diesem Thema: Wie ist Ihre Definition von Wildtieren?

Heinz Paula: Wildfänge, also Tiere, die aus der Natur entnommen wurden. Bei importierten Nachzuchten muss man noch einmal genau hinschauen.

Dr. Stefan Hetz:Vor allem auch wegen der invasiven Arten? Wir haben eigentlich, wenn ich recht informiert bin, noch keine Art zu verantworten, die sich „invasiv“ verhalten hat.

Heinz Paula: Haben Sie da nichts zu verantworten?

Dr. Stefan Hetz:Na ja, Regenbogenforelle und Karpfen sind sicher keine Aquarienfische; Rasbora parva kam über die Teichwirtschaft. Große Krebse wie der Marmorkrebs sind momentan in der Diskussion, aber ich habe ja schon vor 30 Jahren lebende Signalkrebse in Deutschland kaufen können.

 

Dr. Stefan Hetz:Kommen wir zu einem weiteren Thema, die Zeit vergeht ja schnell. Bei uns entstand oder entsteht der Eindruck, dass sich die SPD mit Ihren Anträgen an die Anträge der Grünen heranhängt. Sie überzeugen mich sicher gleich vom Gegenteil?

Heinz Paula: Die SPD hat nach intensiven Diskussionen die Weichen für mehr Tierschutz gestellt. Auch die anderen Oppositionsfaktionen trugen dazu bei den Auftrag unseres Grundgesetzes zu verdeutlichen: „Der Staat schützt die Tiere“. Leider haben die Regierungsparteien alle Initiativen für unsere Tiere abgeschmettert. Für uns gilt ferner: Vorschläge sind ja nicht schlecht, nur weil sie von einer anderen Partei kommen. Was ist also falsch daran, einige, nach unserem Verständnis grundsätzlich gute, Vorschläge mitzutragen?

 

Dr. Stefan Hetz:Die Formulierungen im Wahlprogramm der SPD haben trotz allem viele unserer Mitglieder sehr aufgeschreckt. Das Hobby Aquaristik und weniger Terraristik ist ja auch ein Hobby, das, wie die Zucht von Tauben, Geflügel oder Kaninchen, zumindest früher bei „Arbeitern“ ein sehr weit verbreitetes Hobby war. Was möchten Sie unseren Mitgliedern in der Hinsicht mitgeben?

Heinz Paula: Wer das Wahlprogramm in der Hand hält, wird unsere Leitlinien lesen können „Den Handel mit und die Haltung von Tieren, insbesondere auch von Wildtieren und exotischen Tieren, wollen wir bundeseinheitlich regeln. Der Import von Wildfängen soll generell verboten werden und gewerbliche Tierbörsen werden wir schließen.“ Ich habe dafür viel Zuspruch von Hobby-Aquaristikern und –Terrarianern erhalten, die nicht länger in eine Ecke mit einzelnen Schwarzen Schafen gestellt werden wollen. Und selbst Verbände wie der BNA kritisieren die Zustände auf vielen kommerziellen Tierbörsen. Natürlich können bundeseinheitliche Regeln und bessere Kontrollen nur der Anfang sein, aber dieser muss gemacht werden. Wir sind bei diesem Thema unbedingt auf die Aufklärungsarbeit, das Engagement und den engen Kontakt mit Fachexperten und Tierzüchtern angewiesen

 

Dr. Stefan Hetz:Ich nehme noch mal das Thema Sachkunde. Wie stehen Sie zu einer allgemein verpflichtenden Sachkunde oder einem Tierführerschein?

Heinz Paula: Sehr gute Ideen!

 

Dr. Stefan Hetz:In Ihrer Drucksache 17/12386 fordern Sie unter anderem, das Vorsorgeprinzip einzuführen: „ … und dem Sinne des Vorsorgeprinzips entsprechende Verordnung einzusetzen, die die Ausbreitung invasiver nichtheimischer Arten verhindert.“ Das Vorsorgeprinzip sagt ja vereinfacht: Import okay, wenn erwiesen ist, dass die Tiere nicht invasiv sind, wenn nicht: lasst die Finger davon! Ist so ein Nachweis denn überhaupt – für uns oder andere Verbände - leistbar oder ist diese Vorsorgeprinzip gleich ein - versteckter - Riegel, der für künftig vor den Import geschoben wird?
Lassen Sie mich das an einem Beispiel erklären: Keiner käme auf die Idee, zum Beispiel Neonfische in einem einheimischen Gewässer auszusetzen, nur um zu testen, ob diese sich ausbreiten. Aber streng genommen, dürfte ich keine Neonfische einführen, weil nicht wissenschaftlich erwiesen und publiziert ist, dass sie es eben NICHT können.

Heinz Paula: Das Vorsorgeprinzip ist kein Importverbot, weder offen noch versteckt. Zugleich bestätigt mir Ihre Frage und das Beispiel vor allem eines: Wir haben dieselben Ziele vor Augen, den Schutz der Arten, die fachgerechte Pflege und den Schutz der Tiere. Diese Ziele können zweifellos nur gemeinsam erreicht werden, sowohl in der natürlichen Umgebung der Tiere als auch bei uns hier in Deutschland. Wenn Zweifel an der Umsetzung bestehen, muss die Politik zuhören, denn Ihr Fachwissen ist unersetzlich.

 

Dr. Stefan Hetz:Der nächste Termin wartet schon auf Sie. Ich nehme mal aus unserem Gespräch mit, dass wir an einigen Stellen die gleichen Ziele haben, uns aber über die Art und Weise in Zukunft mehr austauschen sollten und in Kontakt bleiben müssen. Besten Dank für das Gespräch!

 

 

Bearbeitungsstand:

16.09.2017

Zum Download:

Stand: 01.03.2017

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